Einreichung Annual Convention 2007 Grenzflächen des Meeres

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paraflows 07 - Grenzflächen des Meeres

Annual Convention for Digital Arts and Cultures in Wien – mit Ausstellung, Symposium, Workshops und Social Events vom 07.-16.09.2006


Thema: Grenzflächen des Meeres

I

Das letzte Kapitel Marshall McLuhans Buch War and Peace in the Global Village verhandelt unter dem Titel „A Message to the Fish“, die Frage, was wir über Medien überhaupt wissen können, wenn wir davon ausgehen, dass diese – einmal installiert – eine homogene, quasi-natürliche Umwelt ausbilden, die den Menschen einschließt und kybernetisch reguliert. Nicht zufällig mutiert bei McLuhan im nächsten Schritt der Surfer zum Modellfall des Medientheoretikers: Er kennt die Gesetze des Mediums soweit er sie kennen muss, operiert aber elegant an der Wasseroberfläche.

II

Ein zweiter Klassiker der Medientheorie installiert die Meeresoberfläche ebenfalls als Ort des Wissens über Medien. Eine treibende Sardinenbüchse, die in der Sonne blinkt, setzt bei Lacan eine Reflexion über den Blick in Gang. Er gelangt zur kontraintuitiven Behauptung, dass nicht nur er die Sardinenbüchse anblicke, sondern dass auch sie ihn anblickt. "[E]lle me regarde", heißt es im französischen Original, das die Doppeldeutigkeit von 'sie sieht mich an'/'sie geht mich etwas an' ausdrückt. Etwas in diesem Bild, kommt dem Verlangen entgegen, einem Verlangen, das ich nicht kenne, dessen Effekte ich bemerke, ohne dass es dem Bewusstsein zugänglich wäre. Unsere Beschäftigung mit Medien und unser Wissen über sie wird also durch ein Begehren nach Differenzierung und Aneignung getrieben, das sich der rationalen Beherrschung entzieht.

III

Wir möchten diesen beiden Gedanken folgen und daraus weitere Fragen zum Verhältnis von Wissen und Medien ableiten. Die Motivik der Begrenzungsflächen des Meeres (Wasseroberfläche, Meeresgrund, Küstenlinie, Horizont) dient dabei als Sondierungsapperat in epistemologischer wie historischer Hinsicht.


Regieren/Begrenzen

Die Metaphorik des Meeres grundiert eine spezifische Rede über elektronische Medien, die diese als diffuse, nicht weiter hierarchisch kontrollierbare „Umwelt“ ihrer Benutzer begreift. Folglich seien die elektronischen Medien für Intervention und Partizipation offener als andere Medien. Dies schließt an Deleuze/Guattaris Konzept des Meeres als einem „glatten Raum“ an, der weniger durch die Regierungsformen des Vermessens, Untergliederns, Aufteilens und Begrenzens geprägt ist als durch Operationen des Ab- und Einschätzens und durch Intensitäten besetzt ist. Eine erste Fragerichtung wäre, ob nicht auch im Medium des Meeres klassische Herrschaftsinstrumente zum Tragen kommen und inwieweit diese durch „navigierende“ Technologien erst komplettiert werden. Ein Beispiel für eine solche Ordnung wäre das Schiff, das – obwohl nicht Teil des Rechtssystem eines Hoheitsgebietes – über eine nicht weniger strenge (formale wie informelle) Rangordnung verfügt. Das „menschliche Strandgut“, das die rezente Medienberichterstattung bevölkert, gibt einen Hinweis darauf, dass das Meer im Zeitalter globalisierter Migration mitnichten jenseits territorialstaatlicher Ordnungen existiert sondern selbst als (lebensgefährliche) Grenzfläche zwischen diesen fungiert.

Maritime Medientechniken

Unter maritimen Medientechniken sind solche zu verstehen, die sich des Meeres als Träger bedienen, z.B. das Sonar aber auch solche, die zur Beherrschung maritimer Verhältnisse entwickelt wurden (z.B. Navigationsinstrumente). Durch welche Medientechniken wird das Meer befahrbar gemacht (Schiffahrt, U-Boot-Technologie, Flugzeugträger)? Wann tritt das Meer als Hindernis medientechnischer Durchdringung auf (z.B. bei der Verlegung von Telegraphenkabeln)? Wann ist es Möglichkeitsbedingung neuer medialer Operationen (z.B. Unterwasserfilme)?

Die Produktivkraft des Meeres

Das Meer ist nicht nur ein Gegenbild zur „Landordnung“ und Bedrohungspotential sondern wird in der Neuzeit weit über den traditionellen Fischfang hinaus wirtschaftlich produktiv gemacht: Im kolonialen Handel sind seine Unwägbarkeiten Teil des Kalküls von Mehrwert und ist seine Bemeisterung Vorbedingung für koloniale Herrschaft. Die Ingenieurswissenschaft macht darüber hinaus die Eroberung des Meeres (Deichbau) und die Nutzung der Gezeiten (Tidekraftwerke) möglich. Wie ist das Verhältnis von elementarer Bedrohung, Bezähmung und Produktivität politisch und ökonomisch gedacht worden?

Sozial- und Bewegungsformen an der Grenze

Welche Sozialformen generiert das Meer und in welchem Verhältnis stehen diese zu den Begrenzungsflächen des Meeres? Welche Kategorien werden in Hinblick auf das Meer gebildet und wie werden sie in Frage gestellt? Von Interesse sind hier Wesen, die in mehr als einem Medium leben können, bzw. Medienwechsel brauchen um zu überleben: Wale, Robben, Pinguine, fliegende Fische, Wasserläufer und Menschen wären hier zu nennen. Hinzuweisen ist aber auch darauf, dass es die Bewegungsform des Schwimmens war, die Marcel Mauss 1934 seine Überlegungen zu Körpertechniken anstellen lässt: Ausgehend vom historischen Vergleich des Schwimmtrainings (wie tief taucht der Schwimmer, hält er die Augen offen oder geschlossen) kommt er zu der Schlussfolgerung, dass Bewegungsformen habitualisierte Regierungsformen sind. Was das Meer metaphorisch für das Verhältnis von Mensch und Technik leistet, leistet das Schwimmen für die Frage nach der Internalisierung von Ordnungen.

AUSSTELLUNG

Ausgehend vom Konzept eines dezentral organisierten Festivals aus dem vergangenen Jahr möchte ich wieder eine Ausstellung mit internationaler Beteiligung an verschiedenen für die Netzkust/Netzkulturen wichtigen Orten konzipieren. Auf die Locations möchte ich mich hier im Call nicht festlegen. Diese sollen sich im Rahmen einer Konzeptkonferenz präsentieren und im gemeinsamen Konsens ausgewählt werden um die verschiedenen Communities auch darstellen zu können. Ausstellungsbeiträge können über einen internationalen Call eingreicht werden. Die Locations können Projekte aber auch aktiv einladen um in Abstimmung auf die jeweiligen Orte entwickelt zu werden.

Beispiele für mögliche Locations finden sich auf der Website aus dem Jahr 2006:

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Ausstellungsbeiträge/ Installationen und Performances im öffentlichen Raum sollen für auch für 2007 angedacht werden. Zusätzlich besteht das Angebot an einem Tag während des Festivals das Symposium Lindabrunn in Niederösterreich zu bespielen. Vorgespräche dazu hat es schon gegeben.

Ein Programmpunkt der sich 2006 sehr bewährt hat waren der net.art-Brunch. Dieser soll auch im Jahr 2007 täglich an einer anderen Location kostenlos stattfinden. In dessen Rahmen sollen auch wieder KünstlerInnen/ProduzentInnengespräche und Performances stattfinden.

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Kooperationspartner für die Ausstellung werden unter anderem die Akademie der bildenden Künste, FH Joanneum und FH Salzburg sein.

SYMPOSIUM

In Hinblick auf das Symposium ist mir wichtig die bereits erfolgten Diskurse der vergangenen Jahre in die Konzeption einfließen zu lassen. Zusätzlich zu Vorträgen und Workshops zum Thema Grenzflächen des Meeres soll es freie Slots und die Möglichkeit auch noch kurzfristig Vorträge, Workshops oder Präsentationen einreichen zu können. Ein Publikation der Symposiumsbeiträge in einen internationalen Verlag ist ebenfalls wieder vorgesehen.

Mögliche Vortragende zum Thema Grenzflächen des Meeres könnten u.a. sein:

  • Bernhard Siegert
  • Sebastian Velken
  • Katja Rothe
  • Dirk van der Laak
  • Roland Innerhofer
  • Robert Stockhammer
  • Claudia Blümle
  • Peter Geimer
  • Saskia Sassen

Kooperationspartner für die Durchführung und Konzeption des Symposiums werden unter anderem Karin Harrasser (Graduiertenkolleg “Codierung von Gewalt im medialen Wandel, Humbold Universität, Berlin), Thomas Brandstätter (Institut für Philosophie, Erkenntnistheorie und Theorie Digitaler Medien, Universität Wien) und Andreas Leo Findeisen (Lehrstuhl für Kulturphilosophie und Medientheorie, Akademie der bildenden Künste Wien) sein.

SOCIAL EVENTS

Die Organisation der SOCIAL EVENTS, worunter Performances, DJ-ing, VJ-ing, Auftritte von Bands, usw. zu verstehen sind, soll wie im vergangenen Jahr durch einen Call ausgeschrieben werden. Ganz besonderes wichtig wären mir Events im Bereich der elektronischen Musik. Ein möglicher Kooperationspartner könnte hier das IFTAF sein.

Für 2007 soll es während des Festivals ein eigenes Festivalcafe geben. Dazu wurden bereits Gespräche mit dem werkzeugH geführt die an einer Zusammenarbeit sehr interessiert wären. Das Festivalcafe soll fixer Treffpunkt und Informationspunkt für TeilnehmerInnen und Besucher sein.

ORGANISATION

Für die ORGANISATION stelle ich mir wie bewährt eine immer wieder für alle Interessierten offene und horizontale Austauschstruktur, welche die drei Organisationsteile verbindet und in regelmäßigen Abständen der Beobachtung von Außen öffnet. Gleichzeitig müssen die Personen oder Teams, die sich für einen Teil verantwortlich zeichnen die letzte Entscheidung Behalten dürfen.

Organisationsleitung bzw. Einreicher: Günther Friesinger (monochrom) [[3]]

Günther Friesinger/Projekte Auswahl

Kuratorische Tätigkeiten, Ausstellungen und Aktionen (Auswahl)

  • Geburtstag des Kapitalismus in Rahmen von „arbeiten“, Haus der Architektur Graz - Steirischer Herbst, Graz / Österreich, (2006)
  • paraflows 06, annual convention for digital art and cultures, Wien / Österreich, (2006)
  • 7. Werkleitz Biennale, Happy Believers, Halle, Deutschland, (2006)
  • Sinopale, Erste Sinop Biennale, Sinop / Türkei, (2006)
  • Sci Fi Stories, Museumsquartier, Wien, (2006)
  • There's Something Rotten In The State Of Argentinia/ Transmediale, Berlin / Deutschland, (2006)
  • Arad-ii Miami Beach Crisis, Art Basel Miami Beach / Usa, (2005)
  • Demaelstromisation, Festival "Leben in einem Denkmal", Hall in Tirol, (2005)
  • EXPERIENCE THE EXPERIENCE!, Los Angeles: Machine Project, Vancouver: Contemporary Art Gallery, San Francisco: Rx Gallery, (2005)
  • Geburtstag des Kapitalismus, Kunstverein, Baden bei Wien, (2005)
  • bildet to-do-stapel!, Kunsthalle Exnergasse, Wien, (2005)
  • Festival: Roböxotica, Museumsquartier, Wien. (2003 - )
  • Netznetz.net, Festival of Net-Art, Künstlerhaus, Wien / Österreich (2004)
  • Musical über Udo Proksch "Udo 77", Theater im Rabenhof, Wien, (2004 - 2005)
  • Kauf Nix Tag/ Buy Nothing Day, Wien, (2003 - )
  • Ausstellung: Quo Vadis Logo ?!, Museumsquartier, (2003)
  • Flash Exhibition, Kunst im öffentlichen Raum, Graz, (2003 - 2005)
  • Body music, Kunst im öffentlichen Raum, Graz, (1997)


Organisation von Symposien und Konferenzen (Auswahl)

  • Symposium: Regulierungsträume - Kybernetik & Robotik als interdisziplinäre Universalwissenschaft, Museumsquartier, Wien, (2006)
  • Symposium: Channels of Knowledge, Museumsquartier, Wien, (2006)
  • Symposium: Public Fictions - Roboter für (fast) alle, Museumsquartier, Wien, (2005)
  • Symposium: Spektakel-Kunst-Gesellschaft, Kunsthalle Exnergasse, Wien, (2005)
  • Symposium: Das Schöne Scheitern, Museumsquartier, Wien, (2004)
  • Konferenz: Reichtum durch Copyleft - Kreativität im digitalen Zeitalter - 3. Oekonux-Konferenz, Institut für Philosophie, Universität Wien. (2004)
  • Konferenz: Geistiges Eigentum an digitalen Prozessen, Institut für Philosophie, Universität Wien, (2002)
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