Einreichung Digitale Kultur 2009-1 Wiener Beschwerdechor
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Daten
Projekt/Einrichtungsname: Wiener Beschwerdechor
Einreichung bei: Digitale Kultur
Einreichende(r): Oliver Hangl
Fördersumme: 9.600 EUR
Kurzbeschreibung
Gründung und web-basierte Realisierung der Wiener Version des mittlerweile weltweit in 32 Städten erfolgreich gegründeten internationalen Beschwerdechorprojekts The Complaints Choir (vom Projektinitiator autorisiert). http://www.complaintschoir.org/history.html
Ausführliche Beschreibung
Der Inuit kennt angeblich zehn Wörter für „Schnee“. Wenn sich der Wiener beklagt, dann raunzt, motschkert, keppelt, grantelt, nörgelt, krittelt, meckert, jammert er. Raunzen gehört zu Wien wie der Stephansdom. Sogar als das Wahrzeichen und die Straßen der Stadt bei der Einführung der Gasbeleuchtung, nachts in helles Licht getaucht wurden, selbst da, als alle jubilierten, raunzten die Wiener.
Höchste Zeit also, den Sound des Wienerischen im Rahmen des internationalen Beschwerdechorprojekts The Complaints Choir erklingen zu lassen! Infos: http://www.complaintschoir.org/history.html
Das Projekt, das auf lokaler Eigeninitiative- und Realisierung basiert, wurde von den finnischen Künstlern Tellervo Kalleinen und Oliver Kochta–Kalleinen 2005 gegründet und landete gleich beim ersten Mal in Birmingham einen Überraschungserfolg. Mittlerweile wurden weltweit 32 Complaints Choirs von lokalen Initiativen gegründet: Birmingham, Hamburg, Helsinki, St. Petersburg, Poikkilaaskso, Bodo, Gabriaola Island, Jerusalem, Melbourne, Budapest, Basel, Chicago, Kallio (FI), Florenz, Singapore, Wroclaw, Kopenhagen, Ljubljana, Umea, Uppsala, Hong Kong, Vancouver, Auckland (NZ), Juneau (Alaska), Mailand, Maribor, Seoul, Penn State (Can), Stockholm, Köln, Luxemburg, New York City http://www.complaintschoir.org/choirs.html (Video, Text und Picts)
Die Einzigartigkeit dieser künstlerischen Reflexion demokratischer Prozesse in den jeweiligen Gesellschaften hat mich dazu bewogen, einen Beschwerdechor in Wien zu gründen (Die Gründung des Wiener Beschwerdechors wurde vom Projektinitiator autorisiert). Über eine neu errichtete Web-Platform werden die Bürger der Stadt von uns aufgefordert, ihre Klagen einzureichen, zu diskutieren und zu besingen. Die Bewerbung erfolgt in Kooperation mit Wiener Web-, Print und auch TV-Medien. Gesangliche Fähigkeiten sind nicht vorausgesetzt. Unter der Leitung eines österreichischen Musikerkollektivs werden die Beschwerden anschließend zu einem grossen Chorstück redigiert und verarbeitet, das von möglichst vielen freiwilligen Wiener sanges- und klagelustigen Stadtbewohnern interpretiert wird.
Dabei sollen die bisher großteils traditionell-folkloristisch orientierten Kompositionen, Interpretationen und Aufführungen der verschiedenen internationalen Beschwerdechöre um eine aktuelle, moderne "Wiener Note", die sich vielmehr an einer radikalen Auseinandersetzung mit einem zeitgenössischen Popkultur-Begriff orientiert, bereichert werden. Eine neue, aktuelle Version des Wienerlieds, das tiefe Einblicke in die Befindlichkeit der Menschen in der Donaumetropole geben wird.
Als Aufführungsform ist eine Reihe von Präsentationen an verschiedenen öffentlichen Plätzen in Wien geplant.
Premiere: Rathausplatz (Bürgermeister), weitere mögliche Aufführungs-Orte:
- Plätze: Rathausplatz, Stephansplatz, Ballhausplatz, Museumsquartier Wien ...
- Märkte: Naschmarkt, Karmelitermarkt, Brunnenmarkt, Lugner City, Millenium City ...
- Einkaufsstrassen: Mariahilfer Str., Graben, Favoritenstrasse ...
Tellervo Kalleinen: "Im März 2005 luden wir Menschen aus Birmingham ein sich zu beschweren und ihre Beschwerden mit anderen sich beschwerenden Menschen singend vorzutragen.
Das Projekt war offen für alle und es wurden keinerlei gesangliche Fertigkeiten voraus-gesetzt. Viele Bürger der Stadt reichten ihre Klagen ein, zum Teil waren es Beschwerden über Birmingham, über andere Menschen, weltumfassende Probleme und vor allem über sich selbst. Letztendlich meldeten sich 15 Personen, die den Mut aufbrachten im Rahmen des Projektes für ihre Klagen öffentlich einzustehen.
Unter der Leitung eines lokalen Musikers wurden während eines zweiwöchigen Workshops die Beschwerden in einem großen eindrucksvollem Chorstück verarbeitet.
Der erste Complaints Choir aus Birmingham wurde zu einem Überraschungserfolg und kurze Zeit später erhielten wir Anfragen von vielen Menschen die ebenfalls einen Complaints Choir in ihrer Heimatstadt gründen wollten. Sie wiesen (nicht ohne Stolz) darauf hin, das in ihrer Stadt besonders talentierte Kläger leben, sei es in quantita-tiver Hinsicht (Belgrad), existentialistischer (St. Petersburg) oder anspruchsvoller (Buenos Aires). Die dem Chorstück zugrunde liegenden Klagen variieren in ihrer Inhaltlichkeit von den täglichen Ärgernissen bis hin zu globalen Problemen. Jedes Problem ist brauchbares Material für den Complaints Choir. In Birmingham sangen die Menschen z.B. über unfreundliche Busfahrer, verdorbene Bananen und zu langsame Computer. In Helsinki gehörten nervige Klingeltöne, verschwitze Menschen im öffentlichen Transportsystem und der Tatsache, dass Finnland im Wettbewerb niemals gegen Schweden gewinnt.
Und während der Klagegesang aus Hamburg-Wilhelmsburg sich mehr politischen Inhalten annahm, legte der St. Petersburger Chor mehr Wert auf grundlegende gesellschaftliche Themen wie der alltäglichen Überlebensangst."
Zeitplan
Programmierung Website: Mai – Juni 2009
Aufrufe, Realisierung, Produktion: Juni – September 2009
Aufführungszeitraum: Herbst/Winter 2009
Finanzplan
Gesamtkosten
| Sachaufwand Technik, Hardware, Domain | 3.340,– |
| Personalaufwand Technik | 1.400,- |
| Personalaufwand Projektleitung, Organisation, Verwaltung | 2.100,– |
| Personalaufwand Homepage Programmierung, Grafik, Betreuung | 970,– |
| sonst. Personalaufwand | 600,– |
| Honorare Musiker, Chor | 3.400,– |
| Honorar Konzeption | 1.500,– |
| Versicherungen, Abgaben | 350,– |
| sonst. Aufwendungen | 1.150,– |
| Raummieten, Reinigung, Büroaufwand, Telefon, Internet – anteilig | 1.270,– |
| Gesamtsumme | 16.080,– |
Finanzierung
| MA 7 / Digitale Kultur | 9.600,– |
| Bezirkskultur Neubau | 2.500,- (zugesagt) |
| Eigenmittel | 1.980,– |
| Privatsponsoren | 2.000,– |
| Gesamteinnahmen | 16.080,– |
Infos
Oliver Hangl http://www.olliwood.com/
Oliver Hangl, geb. 1968 in Grieskirchen (A), lebt in Wien; Künstler, Regisseur, Kurator, Produzent; bewegt sich in performativen Disziplinen und medialen Räumen ebenso wie in den klassischen Ausstellungsräumen der bildenden Kunst; Realitätsbrüche, Verdoppelungen und Zwischenwelten markieren seine aktuellen Arbeiten, die nicht an ein Medium gebunden sind; zahlreiche internationale und nationale Aktivitäten innerhalb und außerhalb von Kunst- und Kulturinstitutionen; seit Anfang 2008 betreibt er den project space "k48 – Offensive für zeitgenössische Wahrnehmung" in Wien. Biografie: http://www.olliwood.com/bio_engl.html Kontakt: office@olliwood.com


