Einreichung Projekt 2007-1 ORCHESTRA OF ANXIETY / Manu Luksch und Mukul Patel

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Projekt: ORCHESTRA OF ANXIETY von Manu Luksch und Mukul Patel

Projektbeschreibung


Die Sicherheitsindustrie ist weltweit der am stärksten boomenden Wirtschaftssektor. Was verkauft die Sicherheitsindustrie eigentlich? Gibt es denn soetwas wie Sicherheit überhaupt? Was bedeutet Sicherheit als Produkt? Ist mehr Sicherheit bessere Sicherheit?

Der gegenwärtige Diskurs um Sicherheit (oder deren Mangel) wir von Massenmedien der reichen nördlichen Hemisphere popularisiert. Dabei werden Phänomene wie Globalisierung und Migration mit Kriminalität und Terrorismus assoziiert. Es wird an Gefühle der Unsicherheit appelliert, die generell in jeglichem Umfeld, das Veränderungen ausgesetzt ist, existieren, und zu Panik aufgeschaukelt werden. Als Allzweckheilmittel werden mehr und mehr Mechanismen zur Überwachung und Kontrolle der Gesellschaft propagiert und etabliert. Anders als bei der Rüstungsindustrie, bietet die Sicherheitsindustrie eine Produktpalette für jeden Haushalt an: vom Autoalarmsystem, Bewegungsdetektoren, und Überwachungskamerasystem bis zum Irisscanner und Fingerabdrucklesegerät. So mancher wird aber feststellen müssen, dass Sicherheit nicht gekauft werden kann (die innere Unruhe lässt sich nicht bestechen) sondern vergleichbar wie eine Religion funktioniert: man kann blos daran glauben, Garantie gibt es keine.

Wir haben uns die Produkte, die das 'wunderbare Leben in Sicherheit' versprechen und nach denen die Nachfrage so gross ist, genauer angesehen und beschlossen sie umzuwidmen. Das Orchestra of Anxiety ist eine partizipatorische Installation bestehend aus selbstkonstruierten Musikinstrumenten. Für den Bau der Musikinstrumente werden Materialien der Sicherheitsindustrie verwendet.

Das Orchester Das Orchester legt die Ambivalenz des Verlangens nach Sicherheit offen. Es lädt den Besucher/die Besucherin ein, die Materialien, die als Lösung gesellschaftlicher Probleme beworben werden, auf andere Art, die nicht vom Produzenten beabsichtigt war, zu erleben, verwenden und überdenken.

Das erste Musikinstrument, das teilweise umgesetzt ist, ist die Natodraht-Harfe. Der zweieinhalb Meter hohe Stahlrahmen ist mit Saiten der besonderen Art bespannt: mit Natodraht. Der/Die GastmusikerIn trägt beim Harfespiel ein paar Metallhandschuhe, mit deren verlängerten Fingernägeln (ebenfalls aus Metall) die Saiten gezupft werden können, wobei sie über ein computergesteuertes Interface mehrere Projektionen und Sound auslösen.

Für das erste Set der Projektionen veranstalteten die KünstlerInnen ein Tanzevent, das speziell für Überwachungskameras choreographiert wurde. Eine 50köpfige Tanzgruppe performt unter den Kameras in einer Gemeindebausiedlung (frei nach Busby Berkely, dem Vorreiter aus dem Hollywood der 30er Jahre, der Massenchoreographie für Kamera in Vogelperspektive entwarf). Weitere Aufnahmen wurden mit einem angemieteten Wachhund gemacht. Die KünstlerInnen filmten den Hund, der verschiedene Grade der Aggression per Befehl zur Schau stellt (und beinahe die Kamerafrau verschlingt).

Das Spiel der Harfe wird in der Mythologie vieler Kulturkreise (von Mesopotamien zu Irland) mit Ruhe, Zuneigung und Genesung assoziiert.

Die Harfe des Orchestra of Anxiety vertreibt auf ähnliche Weise die 'Geister der Unsicherheit'. Jedoch muss der/die HarfespielerIn zuerst die innere Unruhe überwinden, die das Musikinstrument provoziert...

Ein Instrument macht noch kein Orchester aus. Bei vorangegangenen Ausstellungen der Harfe wurden Skizzen der weiteren Instrumente präsentiert. Das zweite Instrument, das nun realisiert werden soll, ist die Anti-Climb Handtrommel.

Die Trommel besteht aus einem Stahlrahmen, der wie der Rahmen der Harfe spezialangefertigt wird. Durch Bespannen des Stahlrahmens wird der Körper der Trommel hergestellt. Die Oberfläche der Handtrommel ist mit Anti-Climb Paint bestrichen, einer dicken, öligen Masse, mit der Lampenpfosten und Mauern im öffentlichen Raum bestrichen werden, damit sie nicht beklettert werden können. Man kann daher diese Trommel nur andeutend spielen, jedoch die Trommeloberfläche nicht berühren. Im Bauch der Trommel befinden sich ein Bewegungssensor, der mit verschiedenen Alarmsignalen verbunden ist. Nähert sich die Handfläche dem Trommelfell - und daher dem Sensor - löst man für diesen Moment ein Alarmsignal aus.


Wie auch die Harfe, wird die Trommel von BesucherInnen der Ausstellung gespielt werden, als auch bei Performances von Manu und Mukul verwendet werden.

Wir streben an einerseits die Harfe zu verbessern andererseits die Trommel zu produzieren.

Harpist3.jpg Harp_closeup.jpg

Querverbindungen

Vorversionen der Natodraht-Harfe http://www.ambienttv.net/5/ooa

nächster Event, wo die Harfe öffentlich zugänglich sein wird http://www.sohoinottakring.at/


Zeitplan

April-Juni: erweiterte Konzeptphase (Trommel), Re-Programmierung (Harfe) Um an der Harfe weiterarbeiten zu können, muss diese in einem relativen grossen Raum errichtet sein. Wir planen daher im Juni 2007, wenn die Natodraht-Harfe während Soho Ottakring in Wien zugänglich ist, die genetzwerkte Max/msp Applikation weiterzuentwickeln.

Juni-Juli: Herstellung des Körpers der Trommel, Programmierung, Testphase

Das Orchestra of Anxiety wird für Performances und Showings im Herbst 2007 fertiggestellt sein.

Finanzplan

3000.00 Stahlkörper Harfe 2100.00 Stahlkörper Trommel 400.00 Kettenhandschuhe 20.00 Anti-climb Farbe 260.00 Reflektorüberzug

1600.00 Programmierung 650.00 PR (incl Flyer)

140.00 Sensoren 40.00 Theramin 80.00 Router 1600.00 Lichtsystem 420.00 Surround Soundsystem 350.00 DMX Control 1100.00 Computerupgrade 400.00 div Elektronik (Pedal, Midi, Kabel) 520.00 div Overhead

800.00 anteilige Studiomiete Mai/Juni/Juli 200.00 anteilige Telcom Kosten Mai/Juni/Juli 300.00 Transport Harfe

1200.00 Videoaufnahmen CCTV-Tanz & Wachhund 850.00 Dokumentation (Video, Foto, WWW)

Gesamtkosten 16130.00

Einnahmen 3000.00 Watermans 1000.00 Soho Ottakring 3000.00 Förderung BKA 1000.00 Eigenleistung 8030.00 Stadt Wien/NetzNetz (hier angesuchter Betrag)

Gesamteinnahmen 16130.00


CVs

Mukul Patel

Mukul is artistic codirector of ambientTV.NET, where he collaborates across media including sound, film, text, live performance and the internet. Much of his work is concerned with the creation and transmission of sound; informed by a background in science and Indian music, it plays along the borders between music and noise, rule-bound forms and chance, and technology and tradition. In 2005 he will be further exploring work combining sound, text and the body. In 2006 he commenced a period of intense study of the percussion music of South India and the melodic music of North India.

Some of Mukul's practice involves community media projects such as the East End Net (a self-organising wireless network infrastructure for independent media in East London), Bow Space (a multimedia memory map of Bow made with older residents), and Suvara (a project uniting refugee and second genetration immigrant musicians in Linz, Austria).

Mukul has worked extensively with dance in a range of environments, from underground electronic clubs in the 1990s (notably, in London: Talvin Singh's Anokha and Calcutta Cyber Café), through to more formal settings by contemporary choreographers such as Russell Maliphant, Akram Khan, and Shobana Jeyasingh (which led to productions shown at venues such as Lyon Opera and Queen Elizabeth Hall, London).

selected recent work live/installations

  • three sound installations in public space for Lille3000 Festival, France Oct 2006
  • foliage chorus — multi-channel sound for dance installation for Shobana Jeyasingh Dance Co., to inaugurate Hendon Artsdepot (November 2004)
  • tryptichon/myriorama — a surround audio-visual environment and narrative structure, employing dance and psychogeographical drifting (London 2003–04 / Helsinki 2004 for Pixelache and ISEA)
  • England Expects — for 7 ghettoblasters and a megaphone, commissioned for Summer in the Square (Trafalgar Square , London, May 2004)
  • Stealth Waltz — commissioned for Kingdom of Piracy net art exhibition (Taiwan / presented at Ars Electronica 2002)

education 2000-2001 Berkeley Fellowship (University of California) 1989-1992 Natural and Social & Political Sciences (King's College, Cambridge)

Manu Luksch

The techniques and effects of live data broadcasting and transmission provide the theme, medium, and performative space for her work. In 1999, she founded ambientTV.NET as crucible for independent, interdisciplinary practice ranging from installation and performance, through documentary, dance, gastronomy, av real-time manipulation to legal properties of image, sound and data. Across this diversity of experience, she has been constantly concerned with examining the influence of emerging technologies on social relations and political structures.

Amongst other, Manu's works were performed or presented at Witte de With (Rotterdam), ISEA 2004 (helsinki-Tallin), Kiasma Theatre (Helsinki), Tate Modern (London), Documenta X: Hybrid Workspace (Kassel); Ars Electronica (Linz), Art+Communication (Riga), Diagonale (Graz), DMZ Media Arts Festival (London), Pixelache (Helsinki), Video As Urban Condition (London), Switch (Chiang Mai), NTT ICC (Tokyo) ...

The projects Manu has realised in the context of ambientTV.NET include Broadbandit Highway (2001-2006), an online road movie repurposing internet streams from traffic surveillance cameras around the world; The Spy School (2002, continuing), a series of ‘exercises’ examining the implications of surveillance technology; Tryptichon (2003–4), a performance for dancer and roaming writer linking a location-aware media environment with the urban situation outdoors. Tryptichon developed out of the Telejam series (2001), a platform for streaming media jam sessions between audio-visual artists in different locations, and developed into Myriorama (2004), a dance performance deploying locative media and motion-tracking as technology as narrative devices. Her most recent project, FACELESS, is compiled from surveillance video footage recovered under the UK’s Data Protection act, weaving fictive narratives from Big Brother’s cinema verité. The film explores urban fantasy and subjectivity under the regime of closed circuit TV, and the multitude of ways we now leave data-traces and are tracked through the city. It is premiered at DIAGONALE 2007.

As curator and theorist in interdisciplinary media arts, Manu was artistic director of the Munich Media Lab (1995-97). In 1998, Manu (tg with Armin Medosch) co-initiated Art Servers Unlimited (London), the first conference to focus on the creation of independent internet servers as both an arena, and form, of innovative net-based art.

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