Einreichung Projekt 2007-1 Pustota
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Pustota (Leere)
Der russische Begriff Pustota, zu Deutsch Leere, steht im vorliegenden Projekt Konzept für das Unbekannte im weitesten Sinne: Einerseits ist damit ein (im topographischen Sinne) unbekanntes Land gemeint, andererseits geht es um einen Raum der (noch) unbesetzten kulturellen und sozialen Bezüge.
Auch wenn im Zuge meiner eigenen künstlerischen Ausbildung (noch zur Zeit der Trennung zwischen Ost und West durch den eisernen Vorhang) natürlich historische Bezüge zu künstlerischen Strömungen des Ostens erörtert wurden, erscheinen diese, auch auf Grund der politischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte, mehr oder weniger als historisch. Anders als im Westen, wo das künstlerische Bezugssystem im wesentlichen auf die Entwicklung der Moderne im 20. Jahrhundert zu beruhen scheint, scheint der Osten (vom Standpunkt des westlich sozialisierten Künstlers) auf eigenartige Weise "entwurzelt". Zeitgenössische Kunst aus dem Osten bzw. in diesem Fall speziell aus Russland, wird zwar durchaus wahrgenommen (und findet auch im Kunstmarkt ihren Niederschlag), die Traditionen bzw. Wurzeln, aus denen heraus sie entsteht, sind aber nicht leicht zu verstehen.
Mit dem Projekt Pustota geht es mir nicht nur darum einen unbesetzten, "leeren" Raum mit Erfahrungen "aufzufüllen", sondern vielmehr mein eigenes westlich geprägtes kulturelles Bezugssystem zu überprüfen bzw. erforschen. Eine Reise nach St. Petersburg bzw. Russland sehe ich dabei im Sinne einer Expedition. Wenn für die europäischen Entdecker der Neuzeit der Reichtum der jenseits des Atlantiks (aus europäischer Sicht im Westen) gelegenen "Neuen Welt" war, die zum Aufbruch ins Unbekannte trieb, so soll mein Projekt die Gegenrichtung einschlagen. Sehrwohl bewusst ist mir dabei auch die aus der heutigen Sicht doch etwas negativ besetzte Konnotation der Kolonialisierung, ging es doch bei den Expeditionen der einstigen "Entdecker" nicht auch um Unterwerfung der in den "entdeckten" Erdteilen vorgefundenen Völker bzw. Machtansprüche als Auftraggeber und Financiers fungierenden Herrscher in der "alten Welt".
Pustota soll also nicht nur ein Versuch sein meine eigene menschliche Befindlichkeit in einem unbekannten Umfeld zu erforschen, sondern hat auch zum Ziel künstlerisches Handeln in seiner politischen Funktion zu untersuchen. Inwiefern transportiert dieses sozusagen jene politischen Ausrichtungen mit, die sich aus der nach dem Fall des ehemaligen Ostblocks veränderten politischen Landkarte ergeben haben? Wie sehen diese 'neuen' Ausrichtungen überhaupt aus?
Konzept
Das Projekt Pustota mag als Forschungsreise verstanden werden. Diese soll dokumentiert bzw. "aufgezeichnet" werden. Vorrangig soll diese "Aufzeichnung" in einer installativen Ausstellung in der "Gryasnaya Galereya" in St. Petersburg münden, die sozusagen den Endpunkt der Reise darstellt. St. Petersburg wird als Basis für weitere Erkundungen, die in einem noch nicht festgelegten Radius stattfinden sollen, dienen.
Der Begriff "Aufzeichnung" soll einerseits in einem traditionellen, zeichnerischen Sinn (z.B. in der Tradition der Aufzeichnungen Alexander von Humboldts) verstanden werden und in traditionell handwerklicher Manier entstehen. Darüber hinaus möchte ich aber auch digitale bzw. virtuelle Medien nutzen, um die Ergebnisse meiner Erkundungen auch jenen zugänglich zu machen, die sich nicht vor Ort befinden. Sowohl Zeichnung als auch digitale / elektronische Medien verstehe ich als eine Art "oszillographische Wahrnehmungsaufzeichnung". Nicht nur, dass Topographie eines (geographischen) Raumes sich in seiner "Wellenförmigkeit“ beschreiben lässt (Berge, Täler, Hügel usw.), beschreiben wir unser menschliches Beziehungsgeflecht doch mitunter als System von Schwingungen ("auf einer Wellenlänge liegen").
Das Projekt Pustota soll als ein Versuch verstanden werden, den (unsichtbaren) Schwingungen, die ich in einem (vermeintlich) leeren Raum vermute, jenen Kräften die Anziehung oder Abstoßung bewirken, die Grenzen schaffen oder sie zum Fall bringen, zu untersuchen.
Zeitraum
Das Projekt Pustota sollte idealerweise in 3 Etappen abgewickelt werden:
- Ein erster Besuch in St. Petersburg Mitte März soll zum allgemeinen Kennenlernen der Stadt genutzt werden bzw. zur Ausformulierung der weiteren Vorgangsweise unter Einbeziehung regionaler KünstlerInnen. Aufenthaltsdauer: 1-2 Wochen.
- 2-monatiger Arbeitsaufenthalt (mit eventuellen Abstechern in andere russische Zentren). Während dieser Zeit möchte ich gerne vor Ort arbeiten und eine installative Situation in der "Gryasnaya Galereya" herstellen, die meine im Zuge des Projekts gewonnenen Perspektiven reflektieren soll bzw. wenn möglich auch in Kollaboration mit vor Ort angesiedelten KünstlerInnen entstehen soll.
- Abschluss des Projektes im September 2007 mit einer Performance in der "Gryasnaya Galereya". Aufenthalt von ca. einer Woche.
Kosten
| Visaerteilung | |
| Einladung | EUR 35,00 |
| Visumerteilung kostenlos mit Verbalnote des Österreichischen Außenamtes | EUR 0,00 |
| Reiseversicherung | EUR 50,00 |
| Reisekosten (tour/retour) | |
| per Bahn Wien-St.Petersburg (inkl. Transitvisum für Weißrussland) | EUR 270,00 |
| per Flugzeug (CSA) VIE – LED | EUR 493,93 |
| mit dem Auto (über Skandinavien) | EUR 1.500,00 |
| Bahn St.Petersburg – Moskau | EUR 70,00 |
| Bahn St.Petersburg – Perm | EUR 160,00 |
| Local Travel | EUR 70,00 |
| Aufenthalt in St. Petersburg | |
| Unterbringung | EUR 750,00 (300,00 / Monat) |
| Lebenshaltung EUR 20,00 / Tag | EUR 1.500,00 (600,00 / Monat) |
| Arbeitsmaterialen (Farbe, Leinwand, Filmmaterial, Entwicklungskosten etc.) | EUR 1.000,00 |
| SUMME | EUR 5.898,93 |
Zur Finanzierung des Projekts wurden bzw. werden Förderanträge an folgende Institutionen geschickt:
- STEP beyond – european cultural foundation (http://www.eurocult.org/we-support-cultural-cooperation/grants/)
- MA7 – Reisekostenzuschuss (Stadt Wien)
- BKA
Biographie
Mag.art. Stefan Nussbaumer
Johnstraße 18/2a
1150 Wien
t/f +43 1 956 20 35
m +43 699 11 33 41 79
stefan_at_basislager_dot_org
Lebenslauf
| geboren 1966 Lienz | |
| 1984-85 | Architektur-Studium, TU-Wien |
| 1985-92 | Malerei-Studium, Hochschule für Angewandte Kunst (Prof. Margarethe Rader Soulek, Prof. Adolf Frohner) |
| 1992 | Diplom |
| seit 1996 | neben freischaffend künstlerischem Schaffen, Tätigkeit als Grafiker für Verlage, Werbe-Agenturen; Print- und Webdesign |
Ausstellungen (Auswahl)
| 2006 | "CsMFMAATSGOIS" (im Rahmen von "Paraflows", der "Annual Convention for digital arts and culture", Wien, http://basislager.org/CsMFMAATSGOIS/) |
| 2006 | "Globi-Award" - Museum für Angewandte Kunst, Vienna |
| 2005 | "Kunst aus dem Süden Tirols" - Bezirkshauptmannschaft Klosterneuburg |
| 2004 | "NetzNetz" - Künstlerhaus Wien |
| "Agieren nach dem Tod von Cheibane Wague" | |
| Galerie Schloss Damtschach (solo-exhibition) | |
| 2003 | "basislager", SOHO IN OTTAKRING, http://basislager.org/start_alt.html |
| 2002 | "flucht_linien", SOHO IN OTTAKRING |
| 2001 | "coming_out_analyse", Künstlerhaus Klagenfurt |
| 2000 | "Arbeiten", Galerie Art & Weise |
| "Ar|chi|tek|tur", Galerie Gaudens Pedit, Lienz, http://basislager.org/stefan_nussbaumer/sites/architektur.html, http://basislager.org/stefan_nussbaumer/sites/architektur.html | |
| 1996 | "Herz", Galerie Rondula, Lienz |
| 1992 | "Osttirol", Galerie Synthese, Lienz |
| 1990 | Städtische Galerie Lienz (solo-exhibition) |
| 1988 | "Orientalismus Zyklus", Galerie MANA, Wien |
| 1986 | "10 x 10", Schloss Bruck, Lienz, http://basislager.org/stefan_nussbaumer/sites/10x10.html |
Sonstiges
| 2000 | "besonnen" - ein Internet-Projekt in Kollaboration mit Irene und Christine Hohenbüchler http://www.sitesite.de/sitescan/sitescan_kuenstler.html (http://basislager.org/guests/irenchris/) |
| 1996 | "der letzte Maler", ein Kurzfilm, entstanden in Kollaboration mit dem Kameramann Klaus Fuxjäger, Prag |
| ab 2002 | Entwicklung, Gestaltung und laufende Betreuung der der Homepage für "Soho in Ottakring", http://www.sohoinottakring.at |

