Einreichung Projekt 2007-2 Antville
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Projekt Antville 2013, eingereicht von Tobi Schäfer, Wien.
Projektbeschreibung
Was genau wird mit dem Projekt beabsichtigt?
Erhalt, Betrieb und Ausbau der öffentlichen, nicht-kommerziellen und werbefreien Weblog-Community Antville für die nächsten fünf Jahre.
Der Zeitraum wurde bewusst so weit gefasst, weil das Projekt organisch wachsen und sich frei entfalten können muss. Die Erfahrung zeigt: sowohl Community- als auch Software-Entwicklung benötigen Ambition und viel Zuwendung, dabei aber auch Ruhe und Muße; Aufgeregtheit und schnelle Ergebnisse sind nicht ihr Maßstab.
Die erstmalige Subvention von Antville verfolgt zwei Ziele: Zum einen soll der laufende Betrieb für die nächsten fünf Jahre gewährleistet sein, um der Community eine aussichtsreiche und beruhigende Perspektive zu geben. Desweiteren soll eine Weiterentwicklung der Software ermöglicht werden, um mit neuartigen Anforderungen und Ideen Schritt halten zu können. Diese wird nächstes Jahr angegangen.
Wie soll das Projekt realisiert werden?
Antville war zu Beginn ein kleines Hobby und hat sich, bedingt durch das erstarkte Interesse an einer einfach zu bedienenden Personal-Publishing-Plattform, mittlerweile zu einem großen, spannenden Abenteuer entwickelt.
Die anfallende Arbeit wurde dabei mehr und mehr über ein fragwürdiges Selbstausbeutungsmodell der ProjektteilnehmerInnen erledigt. Und wäre nicht die freundliche Community bereit gewesen, an zwei Punkten der nun sechsjährigen Existenz durch freiwillige Spenden sowohl notwendig gewordene Anschaffung von Hardware als auch einen neuen Anlauf zur Weiterentwicklung der Software zu finanzieren, wäre das Projekt möglicherweise trotzdem schon längst vor dem Aus gestanden.
Es ist nun an einem Punkt angekommen, wo die kostenlose Betreuung und Verfügbarkeit nicht mehr gewährleistet werden kann. Da der freie, unabhängige Charakter der Plattform unbedingt erhalten werden soll, scheiden Mittel wie Werbeeinschaltungen, kommerzielle Partnerschaften oder ein Bezahlmodell aus. Der Verkauf der Community bzw. der User-Daten war, ist und bleibt ungebrochenes Tabu.
Zudem wird mittelfristig neue Hardware nötig sein, da der von der Community finanzierte Server bereits an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit und Lebensdauer stößt. Auch benötigt dieser professionelle und zuverlässige Wartung und Pflege, die zu einem angemessenen Stundensatz bezahlt werden soll.
Das Selbstausbeutungsmodell möge also ausgedient haben, zumindest für Antville; gerade in Zeiten des Prekariats ein sicher etwas gewagter Wunsch. Bedenkt man aber, welch wunderbare Blüten die Antville-Community im Bereich Medienkunst, Literatur, Netzkultur, Politik und Unterhaltung hervorgebracht hat und weiter hervorbringt, so ist er womöglich noch nicht einmal radikal genug.
Antville hat sich (womöglich unbewußt, jedenfalls unbeirrt) zum Ziel gesetzt, das freie Veröffentlichen im Web zu ermöglichen, zu erleichtern, und damit die Produktionsmittel den AutorInnen selbst in die Hände zu geben: als unabhängiges, autarkes Medium im Medium.
Woran wird bei dem Projekt angeknüpft?
Das Projekt fügt sich nahtlos an das sechsjährige Bestehen von antville.org als fester Bestandteil der Weblog- und Netzkulturszene Wiens und deren Betreuung als äußerst lebendige Web-Community.
Die Nutzung der Software Antville v.a. im deutschsprachigen akademischen Bereich, aber auch durch populäre Weblog-Services wie twoday.net und blogger.de, verdeutlichen dabei das Interesse an der Entwicklung dieser unabhängigen und quelloffenen Software, sowie an einer Zukunft des Projekts.
Aus vielen Antville-Weblogs sind unzählige weitere Projekte hervorgegangen, von denen einige vor allem internationale Anerkennung und Erwähnung fanden. Beachtenswert ist dabei die Durchdringung des »realen« Raumes, das Heraustreten aus dem Virtuellen in Form von regelmäßigen Treffen, Lesungen und Veröffentlichungen in traditionellen Medien.
Antville ist seine eigene Subkultur und somit auch Rollenmodell und Sprachrohr für andere subkulturelle Ansätze im Web. Das erklärt auch, die starke Communitybindung nicht nur bei AutorInnen, sondern auch bei Leser- und KommentatorInnen.
Eine Auswahl von Weblogs auf antville.org zur Verdeutlichung des inhaltlichen Spektrums:
- Steckenpferd, die erste Quelle für Insider-Informationen in Sachen Reit- und Pferdesport
- Videos, »...the place where Hollywood finds new directing talent« (Quelle)
- Meine kleine Stadt
- Domino, »Best Innovation« bei den BoBs Awards 2004 der Deutschen Welle
- Tomte Blog, Rock'n'Roll!
- Muhhammad Ali vs. your Weblog, die Instanz für Metadiskussion von Web 1.0 bis Post-Web.
Sites, die auf Antville basieren:
Welche konkreten Umsetzungsschritte soll es geben?
- Übersiedlung des Servers zu sil.at, damit verbundenes Ende des kostenlosen Housings
- Anschaffung eines neuen Servers als Ersatz zur mittlerweile schon etwas betagten Elise
- Wiedereröffnung von antville.org zum Einrichten neuer Weblogs, d.h. User können neue Sites hinzufügen (derzeit nicht möglich, weil der Dienst an der Leistungsgrenze angelangt ist)
- Ausbau der frei verfügbaren, quelloffenen Software, um Fehlerbeseitigung und neue Entwicklungen durchzuführen wie bereits in der Roadmap angedeutet, folgend ein Auszug:
- Bessere Unterstützung multimedialer Inhalte unter Verwendung möglichst offener Datenformate (Ogg Vorbis / Theora)
- Erweiterung der Login-Möglichkeiten um dezentrale, offene Services wie OpenID
- Versuch, Einträge zu Werbungszwecken (Spam) zu filtern und einzudämmen
- Import- und Exportfunktionalität zum einfachen Übersiedeln der eigenen Inhalte von einer Antville-Installation zu einer anderen (»Meine Daten gehören mir«)
- Übersetzung der bereits internationalisierbaren Texte in weitere Sprachen
- Integration eines leicht zu bedienbaren Text-Editors bzw. von leichter erlernbarer Formatierungs-Syntax (ähnlich zu Wikipedia)
- Ermöglichung der Vernetzung individueller Antville-Installation auf verschiedenen Servern zwecks kollaborativen Publizierens
- Vereinfachung des Installationsvorgangs, Revitalisierung des AntClick-Pakets (enthält und installiert alle nötigen Programme zum Betrieb von Antville auf dem eigenen Rechner)
Wie wird das Projekt veröffentlicht bzw. zugänglich gemacht?
- Community-Site von Beginn an frei und kostenlos zugänglich
- Software-Pakete zum Download
- quelloffener Source-Code (Open-Source-Software mit Apache-2.0-Lizenz)
- Projekt-Weblog
- Mailing-Listen
Querverbindungen
Interesse am Fortbestand von Antville gibt es naturgemäß in erster Linie bei der Community von antville.org und ihren Rezipientinnen. Die Weiterentwicklung der Software wird aber auch individuellen Installationen netzkultureller Angebote und universitären Anwendungen von Antville (Forschungs-Blogs) zu Gute kommen. Nicht zuletzt könnten sogar populäre Weblog-Plattformen wie twoday.net oder blogger.de davon profitieren. Insgesamt ergibt dies ein Netzwerk von Antville-Servern, die ihrerseits zum Teil wieder etliche Eigenproduktionen hervorbringen (im Bereich 10 bis 5000 Sites pro Installation).
Mit der Software Antville »bloggen« unter anderem:
- Plastikmädchen
- Dieter Telfser
- subnet Plattform für Netzkultur
- SOS Mitmensch
- TU Wien
- Medien-Fakultät der Universität Weimar
- University College of Falmouth
Links zu Websites, über bereits durchgeführte Projekte
siehe #Zur_Person
Zeitplan
- Planungsphase: zum Zeitpunkt der Einreichung bereits abgeschlossen; weitere Planung für die Zeit nach 2013 erfolgt spätestens 2011
- Übersiedlungsphase: November 2007
- Konsolidierungsphase: Dezember 2007 bis Jänner 2008
- Entwicklungsphasen: 2008 stichpunktartig; Details siehe Roadmap
- Betreuungsphasen: laufende Betreuung bzw. punktuelle Server-Wartung muss gewährleistet sein; intensive Betreuung ist nötig nach Übersiedlung bzw. während Konsolidierung und nach jedem neuen Release
- öffentliche Phase: das Projekt ist bereits seit 2001 öffentlich, woran sich nichts ändern wird
- Abschlusszeitpunkt: Ende 2013
Finanzplan
Laufende Kosten bis 2013
- Server-Housing: 600€ pro Jahr (in Summe 3.000€)
- Hardwarekosten: 3.500€
- Server-Administration: 300 Stunden à 20€
Kosten für Software-Entwicklung
- Entwicklungskosten 2008: 900 Stunden à 20€
Gesamtkosten: 30.500€ (bitte Laufzeit von fünf Jahren berücksichtigen)
- Finanzierungsanteil um den hier angesucht wird: 25.000€
- Eigenanteil: 5.500€
- Es stehen sonst keine Fördermittel zur Verfügung
Zur Person
Tobi Schäfer lebt und arbeitet seit über zehn Jahren in Wien im Bereich Neue Medien, Internet und Open-Source-Publishing an den Schnittstellen zwischen Hypertext und Netzkultur sowie Software-Entwicklung und Interface-Design.
Erste Erfahrungen mit Neuen Medien sammelte er mit der kollaborativen Diplom-Arbeit »Hydra«, einer CD-Rom über Interaktionsmodelle im »Hyperspace«. Kurz darauf brach sich das Internet Bahn aus dem akademischen Nest, und Schäfer fand großen Gefallen an der Idee des autonomen und autarken Publizierens im Web.
Mobilisiert durch den tragischen Tod Marcus Omofumas wurde er 1999 Mitbegründer und ein Autor eines der ersten deutschsprachigen Polit-Weblogs für »politische Potentiale«, popo.at.
Neben dem ausgeprägten Interesse an Hypertext, Weblogs und Wikis, verschaffte Schäfer sich über einige Nebenprojekte und Kooperationen Einblicke in die Welt von Film, Rundfunk und Fernsehen, und lernte dabei viele VertreterInnen der Wiener Medienkunst- und Netzkultur kennen und schätzen.
Seit 2001 arbeitet Schäfer mit am Projekt Antville, einer der ältesten und meistgedienten deutschsprachigen Weblog-Plattformen. Mit Antville lassen sich auf einfache Weise Texte, Bilder und Dateien im Web veröffentlichen, ohne Kenntnis von HTML oder anderen Web-spezifischen Belangen vorauszusetzen. Die freie Software ist von Anbeginn unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht worden, der Quellcode ist seit jeher für alle Internetbenutzer frei verfüg- und verwendbar.
Die Test-Installation der Software auf www.antville.org wurde in kurzer Zeit zu einem lebendigen Tummelplatz der frühen Wiener Weblog-Pioniere und hat sowohl österreichweit als auch international viel Beachtung und rasanten Zulauf von jungen Weblog-Autorinnen und deren Lesern gefunden.
Antville ist Basis einer Vielzahl von Forschungs- und Kommunikations-Websites im universitären Bereich sowie Fundament einiger populärer Weblog-Dienste wie twoday.net, blogger.de.
Ausgewählte Projekte und Kooperationen:
- Antville, mit Robert Gaggl, Hannes Wallnöfer, Claudia Bogun, Christoph Lincke
- Hydra, Diplomarbeit zu Konzept und Ästhetik von Interaktionsmodellen in Hypertext-basierten Medien; mit Christine Zmölnig und Jo Luick
- popo.at, das Weblog für politische Potentiale; Bloggen im Kollektiv in Zeiten politischer Verwerfung (»Move your popo and your ass will follow«)
- TIV / IMO Collecting Television, Konzept für Internet und Fernsehen; mit Ruth Kaaserer, Ricarda Denzer und Christine Zmölnig
- Hommage an Hedy Lamarr, Website und Installation auf der Ars Electronica 1998; mit Richard Brem, Theo Ligthart, Curd Duca und Christine Zmölnig
- Ribingu Rumu Living Room Japan CD-Rom, ganz private Innenansichten aus Japan; mit Barbara Denk, Karin Holzfeind und Michael Veigl (Joseph-Binder-Award 2002)
- Persönliches Weblog

