Einreichung Projekt 2007-2 Pustota

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Dieses Projekt stellt die Fortsetzung des bereits zu den vorangegangenen Network-Grant Wahlen eingereichten gleichnamigen Vorschlags dar. Wie bereits im damals beschrieben bestand der erste Abschnitt in einem 2 monatigen Aufenthalt in Russland bzw. St. Petersburg. Diese Zeit wurde dazu genutzt, um Kontakte zu knüpfen und das Land in seinen spezifischen Ausprägungen besser verstehen zu lernen.

Obwohl sich mein Russland-Aufenthalt im wesentlichen auf St. Petersburg beschränkte, denke ich doch, dass ich einen recht komplexen Eindruck der russischen Gesellschaft und ihres Verhältnisses zu Politik, Medien und auch dem westlichen Ausland gegenüber erhalten habe. Dass die politische, wirtschaftliche und soziale Lage keine einfache ist, lässt sich zwar auch Mitteleuropäer über die Medien leicht rekonstruieren. Die Ursachen dafür sind jedoch nicht nur in der aktuellen politischen Lage, sondern auch im historischen Kontext zu suchen.

In einer Gesellschaft, in der Demokratie und Zivigesellschaft nur schwer Fuß fassen, haben es auch Kunst- und Kulturschaffende nicht leicht in der Öffentlichkeit Gehör zu finden, geschweigedenn von außen, also z.B. dem westlichen Ausland wahrgenommen zu werden. Trotzdem, oder wahrscheinlich gerade deshalb, hat sich in Russland ein Informations-Netzwerk gebildet, das sich hauptsächlich auf das Internet stützt und in dieser Ausprägung kaum mit westlicher Netzkultur vergleichbar ist. Gerade unter der jungen Generation erreicht z.B. die amerikanische Livejournal-Blogplattform eine fast 100%ige Durchdringung. Was von staatlich kontrollierten Medien nicht gesagt und geschrieben wird, findet hier seinen Niederschlag.

In der Regel werden Blogeinträge in russischer Sprache verfasst und verschließen sich daher den meisten BesucherInnen aus dem westlichen Ausland. Auch in den jüngeren Generationen ist englisch als Fremdsprache keineswegs selbstverständlich. Es ist also kaum verwunderlich, dass nur wenige Informationen es über innerrussische Netzwerke hinausschaffen und gut wie keine (nichtkommerziellen) internationale Kollaborationen stattfinden.

Inhaltsverzeichnis

VideoTochka

VideoTochka ("Video-Punkt") nahm seinen Ausgang in einem temporären Galerie-Projekt in der Stadt Perm im Ural. Der russische Medienkünstler und -kurator Sergey Teterin eröffnete dort für den Zeitraum eines Jahres einen Ausstellungsraum für zeitgenössische Videokunst. Das besondere dabei war, dass die BesucherInnen der Galerie nicht für den Eintritt zahlen mussten, sondern bezahlt wurden:

"Ich bin davon überzeugt, dass in Zukunft alle Galerien und Museen für zeitgenössische Kunst dazu übergehen werden, das Publikum für den Besuch angebotener Ausstellungen zu bezahlen. Das ist völlig logisch und zweckmäßig, denn die Aufmerksamkeit des Menschen wird immer teurer und die Auseinandersetzung mit den Ideen der „zeitgenössischen Kunst“ erfordert heute immer größer werdende geistige Konzentration von den Menschen (Bürgern)." Sergey Teterin

Darüberhinaus will VideoTochka aber auch ein permanentes Archiv für Medien- bzw. Videokunst sein. Schon seit Jahren sammelt Sergey Teterin russische, aber auch internationale Beispiele, denen er mittels Livejournal-Blog zu Aufmerksamkeit innerhalb Russlands verhilft. Um diese topografische Eingrenzung zu durchbrechen, wurde das Projekt Videotochka in einer kleinen Touree durch Österreich vorgestellt (Lienz, Villach, Wien).

Um den Zielen des Projekts besser gerecht werden zu können, wurde die Internet-Seite http://www.videotochka.ru/ als Plattform aufgesetzt, auf der sowohl russische als auch österreichische AutorInnen berichten. Um dieser Plattform jedoch eine Wirkung über nationale Grenzen hinaus zu verleihen, wird es notwendig sein alle Beiträge nicht nur in den jeweiligen Muttersprachen oder Englisch zu publizieren, sondern zumindest bilingual (Englisch-Russisch).

In weiterer Folge wäre es wünschenswert, wenn die Plattform dazubeitragen einen auch physischen Austausch zwischen West und Ost zuwegezubringen und Präsentationsmöglichkeiten auch im Realraum zu erschließen.

In Kooperation mit Sergey Teterin - http://www.teterin.ru/

the acoustic storage

Unsere moderne Auffassung von Datenübermittlung bzw. -speicherung läuft in der Regel daraufhinaus, dass der Faktor Zeit möglichst minimiert wird bzw. keine Rolle spielt. D.h. wir sind es gewohnt globale Datenübertragung in Millisekunden zu messen und Informationen über Ereignisse z.B. in Japan nahezu gleichzeitig mit ihrer Erstellung Zeit verfügbar zu haben. Das Projekt the acoustic storage will nicht die Errungenschaft der globalen Vernetzung in Frage stellen, sondern stellt einen Versuch dar auf experimenteller Ebene den Faktor Zeit bzw. räumliche Entfernung wieder zum Tragen kommen zu lassen. Der Name des Projekts leitet sich vom Umstand ab, dass hier mit der Übertragungsgeschwindigkeit des Schalls bzw. der Schwingungsleere gearbeitet werden soll.

Als Modell für eine acoustic storage kann hier z.B. der Planet Erde gesehen werden: Nicht nur, dass sie seit Millionen von Jahren von unterschiedlichsten Lebewesen bevölkert wird, werden auch die Bewegungen (Schritte) all dieser Lebewesen auf sie übertragen, also im Prinzip der Planet in Schwingungen versetzt, die sich (theoretisch) über die gesamte Oberfläche des Planeten übertragen und (lässt man Dämpfungseffekte einmal außer acht) unendlich lange gespeichert bleiben.

the acoustic storgage will versuchen die Speicherung von Schwingungen in einer Software-Simulation nachzubilden. Das Beispiel der Erde kann als Vorbild gesehen werden: Informationen (Schwingungen) werden von den EmpfängerInnen, die sich an unterschiedlichen Orten der Welt befinden, unterschiedlich empfangen – abhängig von der Entfernung von der Quelle, den Überlagerungen, denen ein Signal auf weiten Übertragungsstrecken ausgesetzt ist, der angenommenen Dichte und Beschaffenheit des Übertragungsmaterials (Wasser, Gestein, gasförmige Stoffe etc.).

Im Gegensatz zum Internet kommt also bei den EmpfängerInnen keine Information so an wie sie einstmals ausgesendet wurde. Die gespeicherte Information kann aber, da jede(r) EmpfängerIn auch einen Reflexionspunkt darstellt, in das Aussenden eigener Signale einbezogen werden. Letztlich wird so jede Information, die von irgendwo in den Speicher gesendet wurde, von allen anderen in den Speicher gesandten Informationen moduliert. Eine globale Komposition entsteht, die über einen Verstärker gespielt z.B. in Audio-Installationen wiedergegeben werden kann.

Das Ziel des Experimentes besteht darin, eine Möglichkeit zu schaffen, die Vernetzung nicht nur als Struktur, sondern als eine Art Instrument (in der Art eines Musikinstrumentes) verstehen lässt. Jede(r) TeilnehmerIn verändert durch den persönlichen Input das bis dahin gespeicherte bzw. den Klang. Auf diesem Wege wird der Begriff der Verbundenheit in einem digitalen Kontext neu definiert und die Wechselwirkungen unserer Handlungen nachvollziehbar gemacht, auch wenn wir vielleicht tausende Kilometer voneinander entfernt leben.

Das Projekt soll letztlich in verschiedenen Installationen präsentiert werden, die ich gerne mit denm russischen Künstler Ivan Olassiuk umsetzen möchte. Ivan Olassiuk ist bildender Künstler, beschäftigt sich jedoch auch mit der Herstellung von Lautsprechern, die er in Handarbeit in seinem Atelier im autonomen Kulturzentrum Pushkinskaya 10 (http://www.p10.nonmuseum.ru/index_d.html) in St. Petersburg herstellt. Auf diesem Wege sollen individuelle Objekte entsehen, die einerseits Kunstobjekte für sich sind, andererseits eine dem jeweiligen Ort und den individuellen Anforderungen entsprechenden Klang zu erzeugen in der Lage sind.

Finanzplan

VideoTochka
Website-Entwicklung: Implementierung von Mehrsprachigkeit, diverse Funktionen (Tagging, Kalender etc.), Design EUR 700,00
Honorare für Übersetzungen, AutorInnen EUR 2.000,00
Reisekosten (Visa, Flugtickets, Einladungen, Unterbringung etc.) für KünstlerInnen-Austausch EUR 2.000,00
 
the acoustic storage
Programmierung (SuperCollider, C++) EUR 3.000,00
Server: Anschaffung der Hardware, Betrieb für ein Jahr EUR 2.500,00
Reisekosten (Kollaboration mit dem russischen Künstler Ivan Olassiuk - Visakosten, Flugtickets, Unterbringung) EUR 2.500,00
 
gesamt EUR 12.700,00
davon Eigenleistung EUR 1.000,00
Einreichung bei diversen Stellen der öffentlichen Hand, österreichisches Kulturinstitut Moskau

Biographie

Mag.art. Stefan Nussbaumer
Johnstraße 18/2a
1150 Wien
t/f +43 1 956 20 35
m +43 699 11 33 41 79
stefan_at_basislager_dot_org


Lebenslauf

geboren 1966 Lienz
1984-85 Architektur-Studium, TU-Wien
1985-92 Malerei-Studium, Hochschule für Angewandte Kunst (Prof. Margarethe Rader Soulek, Prof. Adolf Frohner)
1992 Diplom
seit 1996 neben freischaffend künstlerischem Schaffen, Tätigkeit als Grafiker für Verlage, Werbe-Agenturen; Print- und Webdesign

Ausstellungen (Auswahl)

2006 "CsMFMAATSGOIS" (im Rahmen von "Paraflows", der "Annual Convention for digital arts and culture", Wien, http://basislager.org/CsMFMAATSGOIS/)
2006 "Globi-Award" - Museum für Angewandte Kunst, Vienna
2005 "Kunst aus dem Süden Tirols" - Bezirkshauptmannschaft Klosterneuburg
2004 "NetzNetz" - Künstlerhaus Wien
"Agieren nach dem Tod von Cheibane Wague"
Galerie Schloss Damtschach (solo-exhibition)
2003 "basislager", SOHO IN OTTAKRING, http://basislager.org/start_alt.html
2002 "flucht_linien", SOHO IN OTTAKRING
2001 "coming_out_analyse", Künstlerhaus Klagenfurt
2000 "Arbeiten", Galerie Art & Weise
"Ar|chi|tek|tur", Galerie Gaudens Pedit, Lienz, http://basislager.org/stefan_nussbaumer/sites/architektur.html, http://basislager.org/stefan_nussbaumer/sites/architektur.html
1996 "Herz", Galerie Rondula, Lienz
1992 "Osttirol", Galerie Synthese, Lienz
1990 Städtische Galerie Lienz (solo-exhibition)
1988 "Orientalismus Zyklus", Galerie MANA, Wien
1986 "10 x 10", Schloss Bruck, Lienz, http://basislager.org/stefan_nussbaumer/sites/10x10.html


Sonstiges

2007 "der Ebay-Generator" - in Kollaboration für und mit http://www.ubermorgen.com/. Version 0.1 "the sound of mercadolibre" - http://www.sound-of-mercadolibre.com/, präsentiert als Teil des TransitionMX Festivals, Mexico City

http://en.transitiomx.net/

2000 "besonnen" - ein Internet-Projekt in Kollaboration mit Irene und Christine Hohenbüchler http://www.sitesite.de/sitescan/sitescan_kuenstler.html (http://basislager.org/guests/irenchris/)
1996 "der letzte Maler", ein Kurzfilm, entstanden in Kollaboration mit dem Kameramann Klaus Fuxjäger, Prag
ab 2002 Entwicklung, Gestaltung und laufende Betreuung der der Homepage für "Soho in Ottakring", http://www.sohoinottakring.at

Weblinks

http://pustota.basislager.org http://basislager.org


Einreichender: Stefan Nussbaumer

Persönliche Werkzeuge