Einreichung Projekt 2007-2 Tracker Dog
Einreichender: Christoph Theiler
Vorbemerkung
Das Gehirn bildet ein geschlossenes, selbstreferentielles System, das keinen direkten Zugang zu seiner Umwelt besitzt. Auch über die entsprechenden Sinnesorgane steht das Gehirn in keinem Kontakt mit der Außenwelt.
Wie die beiden chilenischen Biologen und Neurophysiologen Humberto R. Maturana und Francisco J. Varela bei Nervensystemen von Tieren nachweisen konnten, benutzt das Nervensystem für die unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen, wie Sehen, Hören, Riechen und Fühlen jeweils die gleiche systemeigene Sprache.
Die Sinnesorgane transformieren Außenereignisse in neuronale Aktivitäten (elektrische Impulse), denen man nicht ansieht, ob sie durch visuelle, akustische oder geruchliche Signale hervorgerufen worden sind. Die entsprechenden Unterschiede werden somit nicht von den Sinnesorganen, sondern vom Gehirn als Teil des Nervensystems erzeugt, das den elektrischen Nervenimpulsen überhaupt erst Bedeutung zuweist.
Das heißt, dass das Gehirn und nicht die Sinnesorgane für die Wahrnehmung verantwortlich ist. In weiterer Folge bedeutet dies auch, dass das Gehirn sich seine Umwelt selbst baut.
Das Projekt
TRACKER DOG untersucht Wahrnehmungen und ihre systemübergreifende Kommunikation. Hierbei treffen zwei selbstreferentielle biologische Systeme aufeinander:
Das System Mensch und das System Hund. Beide befinden sich zwar in der gleichen Umwelt, am selben Ort, verarbeiten die Wahrnehmung dieser Umwelt höchst unterschiedlich, was zu unterschiedlichen Bedeutungszuweisungen (Wertungen) und damit zu unterschiedlichen Entscheidungen führt.
TRACKER DOG kehrt die Hierarchie der Mensch – Hund-Beziehung um, und macht den Hund zum Leitsystem, dem der Mensch folgt. Es geht um das Spurenziehen in der Landschaft: Entscheidungen, die durch Sinnesreize ausgelöst und vom Gehirn in Bedeutung umgewandelt werden, lassen mittels der entstehenden Wege die tierspezifische Bedeutungszuweisung erkennen.
Die Versuchsanordnung
Mittels eines Aufrufs werden HundebesitzerInnen gebeten, zusammen mit ihren Tieren zu einem Meetingpoint zu kommen. Solche Meetingpoints sollen in Wien und Niederösterreich (z.B. St. Pölten, Amstetten) eingerichtet werden. Wichtig ist, dass beide (Hund und HundebesitzerIn) möglichst nicht aus der unmittelbaren Umgebung kommen, d.h. sie sollten ortsfremd sein.
Die Aufgabe, die beiden gestellt wird, ist, die Umgebung zu erkunden. Wesentlich dabei ist, dass nicht der Mensch, sondern der Hund den Weg, die Route bestimmt, das heißt, der Hund trifft alle Entscheidungen über das Weitergehen.
Dieses Erkunden der Landschaft wird mit einem GPS-System aufgezeichnet, das der Hund trägt und das bei der Rückkehr, bzw. am Endpunkt des Erkundungsganges ausgewertet wird.
Die Auswertung
Die Strecke, die das Tier abläuft, spiegelt seine Umwelterfahrung, und seine Umweltkonstruktion wider, die über diese Wanderroute des Hundes für Menschen nachvollziehbar wird.
Die gesammelten (Hunde-)Wanderrouten werden in Form eines Mappings publiziert und in einer Ausstellung präsentiert
Beteiligte KünstlerInnen und MitarbeiterInnen
Renate Pittroff
Christoph Theiler
Alice Elstner
N.N.
Zeitplan
Einrichtung, Publizierung des Aufrufs: ab Dez. 2007
Vorbereitung: Jan – April 2008
4-5 Touren jeweils am Wochenende: Mai 2008
Auswertung, Mapping, Publizierung, und Präsentation: Juni /Juli 2008.
Finanzplan
Gesamtkosten 19.000,--
- Eigenleistung unbar 1.000,--
- Sponsoreinnahmen 9.000,--
Gewünschte Unterstützung durch das MA7/netznetz: 9.000,--
Bio
Letzte Arbeiten:
GATE II+III (Video-Klanginstallation Lindabrunn, REPLY (Bettelbriefaktion zum Mozartjahr), AUSMISTEN (Kunstradio), KRYPTON für Orchester und Radiosender, Bundesministerium für DNA-Hygiene (theatrale Amtsanmaßung), SHORT CIRCUIT (Klanginstallation), COMMUNITY GAME (partizipatorisches Auswahlverfahren für Netzkulturförderung),
Zusammenarbeit mit:
Machfeld (Michael Mastrototaro, Sabine Maier), masc- Foundation, Erik Janson, Renate Pittroff, John Corbett, Seth Josel, Yaron Deutsch (Ensemble Nikel), Alice Elstner, Kristin Norderval u.v.a.
Präsentationen:
Art+Communication Festival Riga, Hörkunstfestival Erlangen, Kunstradio, Künstlerhaus Wien, QDK, Grundstein, Lindabrunn, RTA-Klima-Wind-Kanal Wien, masc, mel-art, Sonic Circuit, Tel Aviv, Jerusalem, Moskau, St. Petersburg, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Berlin, Granada, Brüssel, Bourges, Belgrad, Wien,