Einreichung Vergabewahl 2010 2nd Order Perceptions (Arbeitstitel)
Inhaltsverzeichnis |
Daten
- Projekt/Einrichtungsname: 2nd order perceptions (Arbeitstitel)
- Einreichung bei: Erstprojekte
- Einreichende(r): Nina Stuhldreher
- Fördersumme: 3000 EUR
Kurzbeschreibung
2nd order perceptions - Bohrexperiment zur Erschließung der 'Real Social Media' an der kontroversen Schnittstelle zwischen Neurodiversität, Self-Empowerment und kybernetischen Brainspill-Szenarios.
Das heutige Netz ist jenes Medium, das in nie dagewesenem Ausmaß zu Selbstbeobachtungen ("2nd order perceptions") anleitet, weil es andauernd und vielfältig zu Entscheidungen über Selbstrepräsentation zwingt. Die Entwicklung der Netzkulturen könnte also von einem Diskurs über diese schwer fassbaren Formen der Wahrnehmung von eigenen Denkprozessen profitieren. Genau hierzu möchte dieses Projekt unter Verwendung von visuellen Mitteln beitragen. Bei der Vergabewahl 2010-2 wird die erste Phase dieses Projekts beantragt:
Zunächst soll ein visueller Modellkatalog von solchen Wahrnehmungen in Form von stark schematisierten 3D-Animationen erstellt werden, die auf einer Webpage den Kern einer Diskussion bilden werden. In späteren Phasen wird die Webpage zur Basis für transdisziplinäre Peer-Review-Prozesse und crowdsourcing von weiteren Selbstbeobachtungen und Assoziationen. Ziel ist es, durch die abstrahierte Visualisierung und Verbindung mit theoretischen Positionen die 2nd order perceptions aus dem diffusen Feld der Introspektion herauszuschälen und als Sammlung von prototypischen Patterns zugänglich zu machen.
Ausführliche Beschreibung
Motivation und Bezug Netzkultur
Nicht erst seit 'Erfindung' der Social Media wird eine noch nie da gewesene Menge von Menschen auf eine erhöhte Form von Selbstbeobachtung zurückgeworfen, zu der sie Schnelligkeit, Mash-up-Stil und sozialer Druck der Web2.0-Formate zwingen: Diskrepanzen zwischen eigenen Verhaltensweisen im on- und offline-Modus scheinen auf, Unterschiede in der Nutzung zwischen Bild und Text, Gimmick und Inhalt sowie der gefühlten Ich-Grenzen treten ins Bewusstsein. Wahrnehmungen, die sich einer breiten Masse von aufmerksamen Medien-Usern seit der Ausbreitung des Internets und Optimierung von Grafikkarten (Game-Kultur) in den letzten 20 Jahren intensiv genug aufdrängten, um einen Medientheoriehype auszulösen, der diesmal alle gesellschaftlichen Bereiche erfaßte. Während Kognitionswissenschaft und Kybernetik anfangs nur hochspezialisierten Insidern bekannt waren und ich z.B. noch im Jahre 2002 einem staunendem Münchner Publikum die Zusammenhänge von Medienkultur, Disability Studies und Emotionsforschung erklären musste (im von mir konzipierten Symposion Perception Geographies, Medienforum München), war das Sujet der gegenseitigen Formierung von Medien und Sinnen bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft letztes Jahr bereits auch für Nicht-FachbesucherInnen eine Selbstverständlichkeit (Welche Sinne machen Medien?, Wien, 2009). Angesichts einer zunehmenden Zahl von künstlerischen Forschungsprojekten an der Schnittstelle zwischen Medientheorie und Kognitionswissenschaft wundert es fast, dass diese Forschungsrichtung ihre legitime Zugehörigkeit zur Netzkultur erst argumentieren muss. Fest steht: das Gehirn ist ein Netzwerkorgan und die aktuell im Kunstfeld sehr angesagte Beschäftigung mit den ihm zuzuordnenden Funktionen eine 'Real Social Media'-Theorie, geboren aus dem kürzlichen IT-Hype und millionenfachen, medial gespiegelten Selbsterfahrungen. Aus makroskopischer, google-Earth ähnlicher Aufsicht könnte man sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen: Was, wenn nicht Selbstbeobachtungen - als das jüngste Tool der Evolution - sind 'Really New Media'?
Projektphasen
- Phase 1 - Visualisierung der Wahrnehmung von Denkprozessen durch stark schematisierte 3D-Animationen (zunächst Erstellung eines beispielhaften Modellkatalogs davon, basierend auf eigenen '2nd order perceptions'). Online-Präsentation und -Diskussion.
- Phase 2 - Peer-review im Bereich Kunst, Netzkultur, Medien- und Kognitionswissenschaften durch dynamisches Online-Archiv und assistierte Installationen (Besucherbefragung an Kulturszene-Knotenpunkten).
- Phase 3 - Wiedereinspeisung der Ergebnisse; Ergänzung durch Datenbank mit ähnlichen Modellen aus Kunst und Theorie; Erstellung einer Nutzen/ Grenzen/Gefahren-Analyse aus medien-, kognitions- und sozialwissenschaftlicher Sicht.
- Phase 4 (langfristig) - Entwicklung einer Software für dezentrale Ergänzungen des Archivs geplant (Wissensproduktion durch crowd sourcing/user contributed content).
Hier wird lediglich die Finanzierung der Phase 1 beantragt.
More...!!!
Für weitere Details (Vorgehensweise, Hintergründe, Pics) siehe meine Website [1] (coming soon ,-))
Verwendung der Fördergelder
- Einnahmen:
- 3000 EUR Netznetz/MA7
- 1000 EUR Eigenaufwand
- Ausgaben:
- 1500 EUR Recherche, Konzept, Storyboard
- 1500 EUR 3D-Grafik
- 500 EUR Erstellung Website
- 50 EUR Hosting und Domain
- 450 EUR Material, Büro, Literatur, ...
Querverbindungen zu anderen Projekten aus der Szene
Einige Kooperationen & Inspirationen:
- Tables of Thought, Ausstellung und Symposion des European Artistic Research Network
- A walk with David Bohm by David Crawford
- SEE THIS SOUND/Neue Wahrnehmungsweisen, Ausstellung und 'audiovisualogisches' Webarchiv
- Figurations of Knowledge, SLSA-Conf zu Kulturellen Dimensionen von Naturwissenschaften
- Situated Organizational Mapping, Entwurf einer Netzwerkkinematographie, Florian Windhager et al., Donau-Uni Krems
- Orbis Pictus Revised by Tjebbe van Tijen & Milos Vojtechovsky
Zeitplan
- 10/2010: Projektbeginn
- 10/2010 - 12/2010: Skizzen, Storyboard, Recherche
- 01/2011 - 04/2011: Erstellung 3D-Visualisierungen
- 05/2011 - 06/2011: Erstellung Website